Georgien

Achtung: Dieser Beitrag ist extrem lang. Wirklich. Aber hey, es gibt auch viele Videos!

Kaum waren wir über die Grenze merkten wir sofort einen deutlichen Unterschied zur Türkei. Wahnwitzige Architektur, noch chaotischerer Verkehr und einen starken Hang zum (orthodoxen) Christentum.

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Normale Grenzübergänge (und Buchstaben) kann jeder.

In Batumi wurden wir mit einer Besonderheit des hiesigen Straßenverkehrs konfrontiert – dem georgischen Kreisverkehr. Ob es auf einem altertümlichen orthodoxen Ritus basiert oder ob ein georgischer Verkehrsplaner zu Sowjetzeiten nach zuviel Wein irgendetwas durcheinandergebracht hat – jedenfalls funktioniert der Kreisverkehr hier genau entgegengesetzt zu unserem Modell und die hineinfahrenden Autos haben Vorfahrt. Das sieht dann etwa so aus:

Wir gönnten uns 2 Nächte Hostel und schlenderten noch kurz über die nächtliche Promenade.

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Einladender Hinterhof des Hostels

Am nächsten Morgen machten wir sogar etwas Sport – ganz poserhaft an der Promenade. Danach wurde auf Magnus‘ Betreiben hin sogar kurz im schwarzen Meer geschwommen. Eigentlich ganz angenehm bei vergleichsweise milden 16 °C Wassertemperatur.

Wir liefen wir noch etwas durch die Stadt, die zurzeit ziemlich leer war aber im Sommer wohl zu einer Mischung aus Lloret de mar und Las Vegas mutiert. Am Nachmittag brachten wir Magnus zum Flughafen.

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Auch wenn die Menge Gepäck zu einem monatelangem Trip durch die Wüste Gobi passen würde – Magnus reiste insgesamt nur 6 Tage mit uns.

Batumi war ein schöner Einstieg nach Georgien und vom Wetter her ein krasser Unterschied zu allem was uns noch erwarten sollte. Aber an sich war die Stadt ziemlich schön, voller verrückter Architektur und in der Nebensaison sogar recht gemütlich.

Nach Batumi ging es geradewegs ins nördlich gelegene Swanetien wo wir am Enguri Staudamm übernachteten und dort das erste Mal Zeuge der georgischen Gastfreundschaft wurden.

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Jaba, Ika, Spartaki und Akaki aus Sugdidi hatten sich nämlich auch am Staudamm zur Schaschlik- und Weinrunde getroffen und luden uns fröhlich ein.

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Trotz oraknartigem Wind und totaler Sprachbarriere wurde es ein feucht fröhlicher Abend.

Das dies für uns in Georgien nur die Spitze des Eisberges der Gastfreundschaft und Trinkfreudigkeit sein sollte wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber weiter ging es ins tiefe Swanetien, bis hinter die Provinzhaupt“stadt“ Mestia.

Hier standen wir eine Nacht an einem verlassenen Kloster, was irgendwie recht gruselig war. Am nächsten Morgen waren wir eingeschneit – beste Voraussetzungen um ins auf 2100m gelegene Dorf Ushguli zu fahren.

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Die Strecke war etwas abenteuerlich – aber dafür auch umso schöner. Ushguli selbst war leider ziemlich Wolkenverhangen aber mit den typischen swanetischen Wehrtürmen trotzdem sehr schön. Außerdem gab es Kühe, anhängliche Hunde und Babyschweine zu sehen.

Und am Ende wurde das Wetter sogar noch besser und der höchste Berg Georgiens, der Shkhara (5201m) tauchte doch noch aus den Wolken auf. Diese Postkartenkulisse konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen…

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Shkhara mit Kloster
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Shkhara mit Kloster, uns und halbem Hund.
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Shkhara mit Ushguli

Danach ging es die selbe „Straße“ wieder zurück, da der Pass in die Nachbarprovinz im Winter gesperrt ist. Am Abend übernachteten wir an der Talstation des noch geschlossenen Tetnuldi-Skigebietes auf 2300m.

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Am nächsten Morgen waren die Fenster sogar von innen gefroren und das Außenthermometer zeigte -13°C. Mit Hilfe der Standheizung wurde gefühstückt und wir gaben dem bemitleidenswerten und sichtlich frierendem „Straßen“-Hund noch unser restliches Brot.

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Nach einem mühevollen Kaltstart ging es bei bestem Wetter wieder zurück ins Tiefland nach Osten in Richtung Kutaissi.

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Vom schönsten Sonnenschein ging es leider direkt in eine nasse und graue Wolkensuppe über, also wurde unser Besuch des Martvilli und Okatse Canyons relativ trist.

Am nächsten Tag war das Wetter nicht besser und wir schauten uns die Prometheus Höhle an – was man eben so macht bei schlechtem Wetter. Außerdem war die Höhle tatsächlich ziemlich cool. Und riesig.

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Am Abend suchten wir in der Nähe von Kutaissi nach einem Stellplatz und landeten dabei zufällig auf einem georgischen Geburtstag. Wir wurden sofort eingeladen und mit Schaschlik, Wein, Wein und Wein geradezu überhäuft. Hab ich Wein erwähnt?

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Der Herr im Hintergrund ist heute 51 geworden. Die schwindende Bildqualität entspricht unserem Zustand.

Am nächsten Tag schworen wir uns in Zukunft beim leisesten Verdacht auf ein Gelage viel viel vorsichtiger zu sein. Außerdem wollten wir nie wieder Alkohol trinken. Wirklich.

Was gibt es verkatert schöneres als bei bestem Wetter ein Kloster zu besichtigen? Kaum etwas dachten wir uns und schauten uns das Gelati Kolster an, wo 1106 das Speiseeis erfunden wurde. Danach machten wir noch einen kurzen Stopp in Kutaissi und fuhren von dort aus weiter Richtung Tiflis.

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Kutaissi

Auf dem Weg sahen wir das 2. !!! Mal auf unserer Reise einen anderen alten Hiace und mussten spontan ein Foto machen. (Das erste mal kam uns in Kroatien tatsächlich ein anderer Hiace Camper entgegen, allerdings waren wir da so perplex das wir es erst viel zu spät realisierten…)

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Im Nachhinein hätten wir hier mal unser kaputtes rechtes Standlichtglas tauschen können…

Vor Tiflis schauten wir uns noch in Gori das Stalin Museum an, wonach der gute Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili scheinbar ein ganz netter Typ gewesen sein muss. ¯\_(ツ)_/¯

Danach ging es jetzt endlich nach Tiflis, dabei kamen wir bis auf wenige 100m an die südossetische Grenze heran und sahen mit den vielen Flüchtlingssiedlungen auch noch deutliche Spuren des Krieges von 2008.

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Am grünen Schild beginnt Südossetien.

In Tiflis blieben wir 3 Tage und während sich Lisa die Stadt anschaute blieb ich leider die meiste Zeit mit Bauchschmerzen im Bett liegen.

Nach dem ich mich wieder erholt hatte und sogar einen Kartoffelbrei essen konnte, brachen wir auf in Richtung Gudauri, wo wir uns mit einem spanischen Pärchen treffen wollten die auch mit ihrem Bus unterwegs waren.

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Übernachtungsplatz auf dem Weg nach Gudauri

Leider war am nächsten Tag die Straße wegen Schneefall und Räumarbeiten gesperrt und wir mussten den halben Tag zusammen mit russischen und armenischen LKW Fahrern an einer Polizeisperre ausharren.

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Da standen wir nun. Nix geht mehr.

Irgendwann gab der Polizist die Straße wieder frei und startete damit ein irrsinniges Straßenrennen. Da es sich um die einzige Verbindungsstraße Georgiens nach Russland handelt (von 2 Nord-Süd Verbindungen insgesamt durch den Kaukasus), war der Andrang entsprechend groß.

Abends kamen wir endlich in Gudauri an und gesellten uns zum Mercedes Düdo von Maja und Julio mit denen wir die nächsten 3 Tage verbrachten. Am nächsten Tag war wegen der Saisoneröffnung der Tagesskipass komplett kostenlos, was dazu führte, dass sich zusätzlich zu den Skifahrern noch halb Tiflis in Straßenklamotten, in den Liften und auf den Pisten tummelte.

Die Abende verbrachten wir im äußert geräumigen und gemütlichen Bus von Julio und Maja, machten Pizza, tranken Bier (doch schon wieder Alkohol), unterhielten uns über Gott und die Welt und erfreuten uns am schnuggeligen Welpen „Madloba“ (georgisch für Danke), der den beiden in Gudauri zugelaufen war.

Nach 2 Tagen Skifahren wurde das Wetter schlechter und wir beschlossen zusammen mit unserem Bus über Jvaris Pass nach Stepansminda kurz vor die russische Grenze zu fahren, um uns den Berg Kasbek inkl. postkartentauglichem Kloster anzuschauen.

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Denkmal der russisch-georgischen Freundschaft
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Jvaris Pass mit einladendem Tunnel. Natürlich ohne Licht und inkl. entgegenkommender 40-Tonner.

Nach dem Pass wurde das Wetter besser und wir fuhren nach Stepansminda zum Gergeti Kloster, was auf 2200m am Anstieg zum Kasbek vor einer tatsächlich malerischen Kulisse liegt.

Danach fuhren wir wieder zurück nach Gudauri, wo ich endlich mal jemanden abschleppen konnte (höhöhö): Übermütige Georgier waren nach Burnouts auf der Straße mit ihrem Subaru Impreza mit Sommerreifen im Schnee stecken geblieben – da hilft auch kein Allrad mehr.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann wieder richtung Tiflis, und da Maja und Julio noch bis Mitte Januar Boarden wollten trennten sich unsere Wege leider schon wieder, was sehr schade war, weil die beiden wirklich super nett waren. Wer Interesse hat, die beiden haben auch eine freshe Facebookseite: Big Van Dream

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Schön wars. Hoffentlich sehen wir uns im Iran wider!

Auf dem Weg zurück nach Tiflis schauten wir uns mit Mzcheta und dem Jvari Kloster noch das religiöse Zentrum Georgiens an und übernachteten noch einmal in Tiflis.

Bevor wir zur armenischen Grenze fuhren kauften wir nochmal viel zu viel Zeug im Carrefour ein (in dem es sogar eine Biertheke gab!).

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Schlaaaand!
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Ein Toyota mit weniger PS als wir! Wow!
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Warum gibts sowas nicht bei uns?
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Öttinger in 2,5l Flachen. Wie schön.
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Simples aber effektives Dosendesign.
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Kadse!
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Ciao Georgien!

Ein Kommentar zu „Georgien

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